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Dienstag, 02.05.2006

Was ist liberal

Angeregt durch einen Artikel bei Cynx habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich meine politische Einstellung eigentlich bezeichne. Liberal war eigentlich immer von meinem Verständnis heraus das richtige Wort. Allerdings habe ich dies immer als freiheitlich aufgefasst. Auch habe ich die Liberalen nie, oder besser schon lange nicht mehr, als eine wirklich liberale Partei aufgefasst. Der rein wirtschaftszentrierte Neo-Liberalismus ist meines Erachtens eine falsche Wortschöpfung, denn die individuelle Freiheit von Bürgern ist in dieser Politikform weder gegeben noch angestrebt.

Im Gegenteil, nur durch die Einschränkung der persönlichen Freiheiten des Einzelnen kann der Neo-Liberalismus nur existieren. Neo-Manchester-Kapitalismus wäre da wohl die passendere Wortschöpfung dafür, aber das sollen in ca.100 Jahren die Historiker entscheiden.
Die FDP hat da in den letzten 20 Jahren einen grundlegenden Wandel durchgemacht. Schon immer wirtschaftsorientiert, hat sie sich aber vom freien Unternehmertum, das natürlich immer Interesse hat so wenig wie möglich vom Staat gegängelt zu werden (zu recht, wie ich persönlich finde), hin zur Interessenvertretung der Multinationalen Geldvermehrungsmaschinen gewandelt. Wobei diese multinationalen Konzerne meiner Meinung nach eben halt nur an eigenes Interesse denken und in einem ständigen Anfall von kreativer Zerstörung eine funktionierende Volkswirtschaft nach der anderen ruinieren. Von ruinierten Ökosystemen ganz zu schweigen. Während der wirkliche Unternehmer ständig Interesse hat, daß sein Umfeld vorankommt, denn nur in blühenden Landschaften lässt es sich auch persönlich gutgehen, ist dies den Großen egal, schon lange sind sie von gesellschaftlicher Verantwortung entbunden, die einzige Gesellschaft der sie Rechenschaft schuldig sind, sind nunmal die Shareholder, die sich meist aus wenigen internationalen Fondgesellschaften rekrutieren, so daß niemand mehr so wirklich für das Handeln von Konzernen verantwortlich ist. Klar, es gibt einen Hauptgeschäftsführer, einen sog. Top-Manager, der allerdings auch nur das Interesse hat, während des Zeitraums seiner befristeten Anstellung so viel wie möglich für sich rauszuholen. Klar es gibt den Aufsichtsrat, in dem sitzen meist Politiker aller Herren Länder und aller politischen Couleur, die doch angeblich immer so unterversorgt und overstressed sind.
Zu eben dieser Clique möchte ich nicht gehören. Liberal bedeutet für mich, die größtmögliche individuelle Freiheit des Einzelnen vor den Staat, so wenig staatliche Eingriffe wie nur irgend notwendig um ein funktionierendes Gemeinwesen aufrechtzuerhalten (gewisse soziale Standart halte ich im Übrigen für unverzichtbar und auch leistungswert), mehr aber auch nicht. Wenn der Staat es nötig hat meine individuelle Freiheit stark einzuschränken, nur um sich selbst als System zu erhalten, dann zur Hel mit dem Staat. Keinen Cent ist er dann mehr wert.
Und genau darauf steuern wir immer mehr zu!

It's about time

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